07.12.2020

"Jugend spielt für Europa" in Ebstorf

Internationales XXL-Jugend-Tunier Pfingsten 2022 in Ebstorf

Der Klosterflecken Ebstorf im Kreis Uelzen erwartet Pfingsten 2022 aus sieben bis neun Nationen um die 800 Nachwuchsfußballer. Der TuS Ebstorf hat den Zuschlag bekommen das internationale Fußballturnier „Jugend spielt für Europa“ auszurichten. Eine Mammutaufgabe für den Dorfverein mit ca. 1.400 Mitgliedern.

Das XXL-Fußballturnier wurde 1960 durch den A-Jugend-Trainer von SSV Viktoria 09 Wassenberg Hans Zohren als Jugendprojekt gegründet, der bis heute noch dabei ist. Weit über 6.000 verschiedene Vereine aus mindestens 37 Nationen nahmen daran inzwischen teil. Zuletzt richtete die Veranstaltung der SC Schwarz-Weiß 06 Düsseldorf aus. Ein Brand und ein Einbruch verhinderten in 2020 die 60. Auflage, die deshalb auch bereits für 2021 abgesagt werden musste. Es gab mehrere niedersächsische Bewerber, darunter auch den TuS Ebstorf. Anfang Dezember unterschrieb der TuS-Vorsitzende Heiko Senking, der auch Bürgermeister ist, den Vertrag.

Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, überreicht die Urkunde an Organisationsleiter Hans Zohren (l.)

Im September 2013 wurde in Berlin der Europäische Bürgerpreis verliehen. Dazu reiste der Burgdorfer Europaabgeordnete Bernd Lange ebenfalls an. Das von ihm vorgeschlagene internationale Fußballturnier „Jugend spielt für Europa“ des SV Südharz in Walkenried (jetzt VfB Südharz) gehörte zu den Preisträgern. Ausgezeichnet werden Initiativen für bessere grenzüberschreitende Zusammenarbeit innerhalb Europas und die praktische Anwendung der Werte der EU Grundrechtscharta wie Gastfreundschaft, Toleranz und Solidarität. Hans Zohren als Organisationsleiter des Turniers nahm die Ehrung vom Präsidenten des Europäischen Parlaments Martin Schulz entgegen. Eigentlich wollte Zohren zum 50 Jubiläum 2010 in Wassenberg, dem Gründerverein Victoria 09, aufhören, doch nun ist er bei der 60. Auflage als Organisationsleiter nach 62 Jahren in Ebstorf immer noch dabei.

Der Kontakt entstand Anfang August 2020, als Ebstorfs Jugendobmann Dennis Korn vom Düsseldorfer Organisator Fabian Pramel erfahren hat, dass 2020 das Turnier „Jugend spielt für Europa“ wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden kann. 2020 hätte das Turnier sein 60-jähriges Jubiläum gefeiert. Für 2021 wurde von Fabian Pramel und Hans Zohren ein neuer Ausrichter gesucht. Allerdings wäre nächstes Jahr für den TuS als Verein aufgrund der noch anhaltenden Corona-Pandemie und erforderlicher sicherer Planungszeiten nicht realisierbar gewesen, da Aufwand, Umfang und Planung dafür einfach zu groß waren.

Ebstorfs aktuelle U16-Mannschaft (hier ein Foto aus der Zeit vor den Kontaktbeschränkungen) wird 2022 als U17 dabei sein

Nach vielen Telefonaten und Gesprächen wollte Hans Zohren die Ebstorfer ebenfalls gerne kennenlernen und sich ein Bild vom Verein machen. Anfang Oktober war Gründer Zohlen dann für eine Woche zu Gast beim TuS Ebstorf. Zohren war von den Voraussetzungen begeistert. „Ebstorf liegt sehr schön, die Heide ist eine sehr schöne Ecke. Der Verein verfügt über mehrere Sportplätze und eine Turnhalle, dazu über engagierte Nachwuchssportler und hat einen Vorsitzenden, der zugleich Bürgermeister ist.“ Insbesondere der guten Jugendarbeit im Fußballbereich, die tollen Sportanlagen mit den daraus resultierenden Möglichkeiten und das hochmotivierte Team um den Vereinsvorsitzenden Heiko Senking waren die ausschlaggebenden Punkte, dass der TuS Ebstorf den Zuschlag für das Turnier „Jugend spielt für Europa 2022“ erhalten hat“, so Korn.

Das initiierte Team um Dennis Korn, Anthony Epp und Marten Harleß, ist schon seit geraumer Zeit federführend aktiv und werden nunmehr ihre Ideen und Möglichkeiten, für das Turnier, das Rahmenprogramm, vor und um Pfingsten 2022, in den kommenden 1,5 Jahren ausloten und gemeinsam umsetzen. Fest im Vertrag verankert ist z.B. ein großer und feierlicher Festumzug, eine Begrüßungsfeier, der Einzug der Nationen mit Abspielen der jeweiligen Nationalhymnen, da es sich um die aktuellen Nationalmannschaften im Jugendbereich, der teilnehmenden Länder handelt und vieles mehr.

TuS-Vorsitzende Heiko Senking ist stolz auf das was jetzt kommt: „Gespräche mit befreundeten Vereinen werden nunmehr aufgenommen, Spielorte generiert, Abläufe koordiniert und das Rahmenprogramm für Mannschaften, Betreuerstäbe, Teilnehmer der Jugend Fahrtenabteilung, des NFV, des DFB aber auch der vielen zu erwartenden Zuschauer, über mehrere Tage, geplant und durchgeführt. Von abendlichen Musikveranstaltungen, Fahrten nach Hamburg, Uelzen und Lüneburg, über anderen Sport, Wandern oder kulinarisches, bis hin zu Reha und Entspannung, bei Golf, Massage oder Jod-Sole Therme, werden wir alles, was unsere Region zu bieten hat, versuchen anzubieten.

Ein Logo wird gesucht, Maskottchen und Merchandising hergestellt, sowie der Internetauftritt in allen Bereichen sind nun in Planung. Also eine Menge zu tun für die verschiedenen Arbeitsgruppen, auch was die Besprechungen mit den Genehmigungsbehörden und anderes angeht. Aber wir sind überzeugt, dass alle den Wert solch einer Veranstaltung, die für diesen Landkreis sensationell ist, verstehen und alle mit uns an einem Strang ziehen, damit das Turnier für alle Beteiligten, Spielerinnen und Spielern, den Zuschauern, dem umfassenden Sport und unserer gesamten Region, lange positiv in Erinnerung bleiben.“

Senking ist begeistert, dass als erster Erstligist, der VfL Wolfsburg, der mit dem TuS Ebstorf auch kooperiert, seine Teilnahme, in welcher Form auch immer, signalisiert hat. Schon jetzt liegt eine Zusage aus Senegal vor. Ein Jugendbundesligist kommt aus Griechenland, dazu ein tschechischer Zweitligist und eine polnische Landessportschule. Die Teams aus diesen vier Ländern werden 2022 für zehn Tage zu einem interkulturellen Austausch nach Ebstorf kommen, bevor das Gros am Pfingstfreitag dazustößt.

Senking weiter: „Wir sind sehr stolz und bedanken uns bei den oben genannten Initiatoren. Wir bedanken uns weiterhin bei Hans Zohren und Fabian Pramel von der Jugend Fahrtenabteilung sehr, dass man uns das Turnier zutraut und somit in und um den Klosterflecken Ebstorf vergibt! Gerade in der jetzigen Situation, wo der Zusammenhalt und Gemeinsamkeit immer wichtiger werden, ist dieses doch ein Zeichen des Aufbruches und der Hoffnung auf guten Sport, viel Spaß und Freude Pfingsten 2022, wir freuen uns darauf.“

Rot-Weiß (TuS Ebstorf) empfängt Pfingsten 2022 Weiß-Rot (polnische Fußballer): Der Verein aus dem Klosterflecken will sich als ein perfekter Gastgeber präsentieren und seinen Gästen ein vielfältiges Programm bieten.

TuS-Jugendobmann Korn: „In den nächsten Wochen geht es für das Team um Marten Harleß, Anthony Epp und mir darum, die ersten Einladungen an potenzielle Mannschaften zu versenden, die Suche nach Sponsoren und Unterstützern zu forcieren, die ersten Planungen für den großen Festumzug und die Bewirtung zu beginnen und erste Ideen für das Rahmenprogramm dieses internationalen Turniers zu gestalten. Vornehmliches ist es, allen teilnehmenden Mannschaften ein unvergessliches Erlebnis zu bescheren und allen teilnehmenden die Möglichkeit geben, nicht nur andere Mannschaften aus unterschiedlichsten Regionen Deutschlands kennenzulernen, sondern vor allem auch mal zu sehen, wie Mannschaften aus anderen Ländern Fußball spielen und vielleicht auch „leben“. Über mögliche Bewerbungen von Mannschaften oder Angebote zu Unterstützung freuen wir uns sehr.“ Die Obergrenze liegt bei 40 Teams. „Bei der Auswahl geht es nicht nur nach Leistung“, betont Korn. „Die Anmeldephase soll Anfang nächsten Jahres beginnen. Wir werden viel Unterstützung benötigen, es ist ein großer Aufwand mit hoffentlich großem Erfolg“.

Der Fußball steht hier eigentlich im Hintergrund. Es kommen Mannschaften aus Deutschland und Europa zusammen, lernen sich kennen und knüpfen Freundschaften. Wer die Turniere am Ende gewinnt, das ist eigentlich egal. Schön ist es zu sehen, wie Kinder Jugendliche aus allen Teilen Europas sich kennen lernen und verstehen. Auf die Ebstorfer wartet in den kommenden anderthalb Jahren viel Arbeit bis zum 3. Juni 2022, wenn das Spektakel mit dem Festumzug beginnt und am Samstag, 4. Juni 2022 der Einzug der Nationen stattfindet. Die Finalspiele der U13-, U15- und U17-Junioren und Siegerehrungen finden am Montag, 6. Juni 2022 statt.

Fotos: Fabian Pramel  und TuS Ebstorf

03.01.2020

Der SV Karze – „klein, aber fein!“

Mit SVK-Ehrenmitglied Franz-Jürgen Dützmann (gelbe Strickjacke) stellten sich die Vereins- und Verbandsvertreter zum Gruppenfoto.

154 Mitglieder, drei Fußballmannschaften und eine Zwei-Mann-Leichtathletikabteilung

„Klein, aber fein!“ – Wohl auf keinen der rund 2.660 Vereine im Niedersächsischen Fußballverband trifft diese Redensart so zu wie auf den SV Karze. Zwar hat der an der Elbe gelegene Verein nur 154 Mitglieder, doch er weist einige bemerkenswerte Alleinstellungsmerkmale auf. Die in den 1960er Jahren gebaute Flutlichtanlage auf dem A-Platz ist die älteste im Landkreis Lüneburg, das 2001 erstmals ausgerichtete Fun-Kicker-Turnier gibt es in dieser Form weit und breit kein zweites Mal und die Leichtathletikabteilung schreibt trotz ihrer überschaubaren Größe von gerade mal zwei (!) Athleten immer wieder Erfolgsmeldungen. Verantwortlich hierfür ist in erster Linie Carsten Schöning. Ein ehemaliger Zehnkämpfer, der in diesem Jahr 50 Jahre alt wurde und der im Altersklassenbereich schon Deutscher Vizemeister sowie norddeutscher und niedersächsischer Landesmeister im Diskuswerfen und Kugelstoßen war.

Seine Frau Daniela ist seit 2001 Vorsitzende des SVK. Eine charmante Mitfünfzigerin, die in ihrer Jugend gerne Fußball gespielt hätte, dies vom Elternhaus aber nicht durfte und sich deshalb dem Turnen verschrieb. Ihre Anliegen und Ansichten benennt sie klar. „Das war die größte Enttäuschung, die ich jemals erlebt habe. Wir hätten aufsteigen können, durften es aber nicht“, ging sie zu Beginn des Vereinsdialogs noch einmal auf die Situation in der Saison 2017/18 ein. Damals schloss der SV Karze die 2. Kreisklasse Lüneburg auf einem aufstiegsberechtigen Platz ab. Doch statt in der 1. Kreisklasse fand sich der Verein mit Beginn der darauf folgenden Spielzeit in der 3. Kreisklasse wieder. Klingt kurios, war aber dem Umstand geschuldet, dass sich in der Zwischenzeit die NFV-Altkreise Lüneburg, Lüchow-Dannenberg und Uelzen zum neuen Kreis Heide-Wendland zusammengeschlossen hatten. „Wir mussten damals 160 Vereine unterbringen. Spieltechnisch ging es nicht anders“, erklärte hierzu auf dem Vereinsdialog der ehemalige Lüneburger und heutige Heide-Wendland-Vorsitzende Christian Röhling.

Hinsichtlich der Aufstiegsfrage sollte für die Karzer Fußballer aber das Motto „Aufgehoben ist nicht aufgeschoben“ gelten. Denn in der Premierensaison des Heide-Wendland-Kreises belegten sie in der Staffel Nord der 3. Kreisklasse Platz eins und feierten damit den ersten (!) Meistertitel in der Vereinsgeschichte. Nicht ohne Stolz präsentierte Daniela Schöning deshalb ihren Gästen vom NFV das im Vereinsheim hängende Bild der erfolgreichen Akteure. „Das ist unsere Meistermannschaft. Wir sind zwar auch schon mal 1996 aufgestiegen, damals aber als Zweiter.“

Meister und Aufstieg in die 2. Kreisklasse mit 54 Punkte (17 Siege, 3 Unentschieden und 2 Niederlagen).

Die Wände im schmucken Vereinsheim sind mit vielen Bildern und Zeitungsausschnitten dekoriert. Eine schwarz-weiß-Aufnahme zeigt einen Mann, von dem im Raum auch sein grüner Pullover ausgestellt ist. „Den hat er immer getragen“, sagt Daniela Schöning und senkt dabei ihre Stimme. Die Rede ist von Siegfried Lange, dem 2016 plötzlich verstorbenen Platzwart. Lange war einer der Unersetzlichen, die im deutschen Fußball mit ihrem herausragenden ehrenamtlichen Engagement das Fundament des Vereinslebens bilden. In jeder freien Sekunde kümmerte er sich um den Platz und die komplette Anlage, die inzwischen seinen Namen trägt. Die Lücke, die sein Tod gerissen hat, ist noch heute spürbar. „Bei Siggi war der Platz abgekreidet, die Eckfahnen standen und die Bälle waren aufgepumpt. Jetzt müssen sich die Jungs um vieles selber kümmern. Zum Beispiel nach jedem Training die Kabine ausfegen. Oder einmal im Monat Platzdienst verrichten“, berichtet Daniela Schöning.

Die Verhaltensregeln, die sich die 1. Vorsitzende von ihren Spielern wünscht, sind festgehalten in einem beidseitig bedruckten DIN A4-Blatt, das den Titel „Der Star ist die Mannschaft – Mein Umgang beim SV Karze“ trägt. Die dort aufgelisteten „acht Gebote“ lauten: 1. Nicht das Team, sondern jeder im Team trägt Verantwortung, 2. Zuverlässigkeit, 3. Freundlichkeit und Teamfähigkeit, 4. Umwelt und Sauberkeit, 5. Kritikfähigkeit, 6. Hilfsbereitschaft, 7. Fair Play, 8. Ehrlichkeit.

Im Dialog: Daniela Schöning und NFV-Präsident Günter Distelrath.

„Ins Vereinsheim kommt nach dem Training keiner, wenn nicht alle Bälle da sind“, nennt Danila Schöning ein kleines Detail, das verdeutlicht, wie sehr beim SVK auf die Einhaltung der Regeln geachtet wird. Insgesamt stellt der SVV drei Mannschaften (2 x Herren und 1 x Altherren) für den Spielbetrieb. Nachwuchsteams gibt es keine. „Unsere letzte Jugend ist 2015 komplett zum TuS Neetze gegangen, mit dem wir früher eine JSG hatten. Größere Vereine rauben kleineren die Spieler“, sagt Daniela Schöning mit der ihr eigenen Deutlichkeit.

In der vergangenen Saison standen exakt 1.003 Euro Einnahmen aus den Heimspielen Strafgelder von 1.021 Euro (z. B. für fehlende Schiedsrichter) gegenüber. Dennoch wurde 2019 ein Überschuss von mehreren hundert Euro erzielt. „Den haben wir uns hart erkämpft“, sagt die 1. Vorsitzende. Zum Beispiel durch die Einnahmen aus dem Fun- Kicker-Turnier, das einmalig im Landkreis und weit über die Grenzen Lüneburgs bekannt und beliebt ist. Gespielt wird mit fünf Feldspielern und einem Torwart. Das Besondere dabei: In jeder Mannschaft muss eine Frau ab 15 Jahre und ein Kind bis 14 mitspielen. Um Energiekosten zu sparen, wurde im Jahr 2013 das Dach des Vereinsheims energetisch saniert. Weitere Mittel flossen parallel in den Innenausbau. „Alles ist hier sehr gepflegt“, zeigte sich NFV-Präsident Günter Distelrath von der Anlage und dem Ambiente beeindruckt. Der SV Karze – „klein, aber fein!“

Bericht auch in der Januar 2020 Journal-Ausgabe.
Text und Bilder: Manfred Finger

Seite zuletzt aktualisiert am: 13.02.2021

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