03.01.2020

Der SV Karze – „klein, aber fein!“

Mit SVK-Ehrenmitglied Franz-Jürgen Dützmann (gelbe Strickjacke) stellten sich die Vereins- und Verbandsvertreter zum Gruppenfoto.

154 Mitglieder, drei Fußballmannschaften und eine Zwei-Mann-Leichtathletikabteilung

„Klein, aber fein!“ – Wohl auf keinen der rund 2.660 Vereine im Niedersächsischen Fußballverband trifft diese Redensart so zu wie auf den SV Karze. Zwar hat der an der Elbe gelegene Verein nur 154 Mitglieder, doch er weist einige bemerkenswerte Alleinstellungsmerkmale auf. Die in den 1960er Jahren gebaute Flutlichtanlage auf dem A-Platz ist die älteste im Landkreis Lüneburg, das 2001 erstmals ausgerichtete Fun-Kicker-Turnier gibt es in dieser Form weit und breit kein zweites Mal und die Leichtathletikabteilung schreibt trotz ihrer überschaubaren Größe von gerade mal zwei (!) Athleten immer wieder Erfolgsmeldungen. Verantwortlich hierfür ist in erster Linie Carsten Schöning. Ein ehemaliger Zehnkämpfer, der in diesem Jahr 50 Jahre alt wurde und der im Altersklassenbereich schon Deutscher Vizemeister sowie norddeutscher und niedersächsischer Landesmeister im Diskuswerfen und Kugelstoßen war.

Seine Frau Daniela ist seit 2001 Vorsitzende des SVK. Eine charmante Mitfünfzigerin, die in ihrer Jugend gerne Fußball gespielt hätte, dies vom Elternhaus aber nicht durfte und sich deshalb dem Turnen verschrieb. Ihre Anliegen und Ansichten benennt sie klar. „Das war die größte Enttäuschung, die ich jemals erlebt habe. Wir hätten aufsteigen können, durften es aber nicht“, ging sie zu Beginn des Vereinsdialogs noch einmal auf die Situation in der Saison 2017/18 ein. Damals schloss der SV Karze die 2. Kreisklasse Lüneburg auf einem aufstiegsberechtigen Platz ab. Doch statt in der 1. Kreisklasse fand sich der Verein mit Beginn der darauf folgenden Spielzeit in der 3. Kreisklasse wieder. Klingt kurios, war aber dem Umstand geschuldet, dass sich in der Zwischenzeit die NFV-Altkreise Lüneburg, Lüchow-Dannenberg und Uelzen zum neuen Kreis Heide-Wendland zusammengeschlossen hatten. „Wir mussten damals 160 Vereine unterbringen. Spieltechnisch ging es nicht anders“, erklärte hierzu auf dem Vereinsdialog der ehemalige Lüneburger und heutige Heide-Wendland-Vorsitzende Christian Röhling.

Hinsichtlich der Aufstiegsfrage sollte für die Karzer Fußballer aber das Motto „Aufgehoben ist nicht aufgeschoben“ gelten. Denn in der Premierensaison des Heide-Wendland-Kreises belegten sie in der Staffel Nord der 3. Kreisklasse Platz eins und feierten damit den ersten (!) Meistertitel in der Vereinsgeschichte. Nicht ohne Stolz präsentierte Daniela Schöning deshalb ihren Gästen vom NFV das im Vereinsheim hängende Bild der erfolgreichen Akteure. „Das ist unsere Meistermannschaft. Wir sind zwar auch schon mal 1996 aufgestiegen, damals aber als Zweiter.“

Meister und Aufstieg in die 2. Kreisklasse mit 54 Punkte (17 Siege, 3 Unentschieden und 2 Niederlagen).

Die Wände im schmucken Vereinsheim sind mit vielen Bildern und Zeitungsausschnitten dekoriert. Eine schwarz-weiß-Aufnahme zeigt einen Mann, von dem im Raum auch sein grüner Pullover ausgestellt ist. „Den hat er immer getragen“, sagt Daniela Schöning und senkt dabei ihre Stimme. Die Rede ist von Siegfried Lange, dem 2016 plötzlich verstorbenen Platzwart. Lange war einer der Unersetzlichen, die im deutschen Fußball mit ihrem herausragenden ehrenamtlichen Engagement das Fundament des Vereinslebens bilden. In jeder freien Sekunde kümmerte er sich um den Platz und die komplette Anlage, die inzwischen seinen Namen trägt. Die Lücke, die sein Tod gerissen hat, ist noch heute spürbar. „Bei Siggi war der Platz abgekreidet, die Eckfahnen standen und die Bälle waren aufgepumpt. Jetzt müssen sich die Jungs um vieles selber kümmern. Zum Beispiel nach jedem Training die Kabine ausfegen. Oder einmal im Monat Platzdienst verrichten“, berichtet Daniela Schöning.

Die Verhaltensregeln, die sich die 1. Vorsitzende von ihren Spielern wünscht, sind festgehalten in einem beidseitig bedruckten DIN A4-Blatt, das den Titel „Der Star ist die Mannschaft – Mein Umgang beim SV Karze“ trägt. Die dort aufgelisteten „acht Gebote“ lauten: 1. Nicht das Team, sondern jeder im Team trägt Verantwortung, 2. Zuverlässigkeit, 3. Freundlichkeit und Teamfähigkeit, 4. Umwelt und Sauberkeit, 5. Kritikfähigkeit, 6. Hilfsbereitschaft, 7. Fair Play, 8. Ehrlichkeit.

Im Dialog: Daniela Schöning und NFV-Präsident Günter Distelrath.

„Ins Vereinsheim kommt nach dem Training keiner, wenn nicht alle Bälle da sind“, nennt Danila Schöning ein kleines Detail, das verdeutlicht, wie sehr beim SVK auf die Einhaltung der Regeln geachtet wird. Insgesamt stellt der SVV drei Mannschaften (2 x Herren und 1 x Altherren) für den Spielbetrieb. Nachwuchsteams gibt es keine. „Unsere letzte Jugend ist 2015 komplett zum TuS Neetze gegangen, mit dem wir früher eine JSG hatten. Größere Vereine rauben kleineren die Spieler“, sagt Daniela Schöning mit der ihr eigenen Deutlichkeit.

In der vergangenen Saison standen exakt 1.003 Euro Einnahmen aus den Heimspielen Strafgelder von 1.021 Euro (z. B. für fehlende Schiedsrichter) gegenüber. Dennoch wurde 2019 ein Überschuss von mehreren hundert Euro erzielt. „Den haben wir uns hart erkämpft“, sagt die 1. Vorsitzende. Zum Beispiel durch die Einnahmen aus dem Fun- Kicker-Turnier, das einmalig im Landkreis und weit über die Grenzen Lüneburgs bekannt und beliebt ist. Gespielt wird mit fünf Feldspielern und einem Torwart. Das Besondere dabei: In jeder Mannschaft muss eine Frau ab 15 Jahre und ein Kind bis 14 mitspielen. Um Energiekosten zu sparen, wurde im Jahr 2013 das Dach des Vereinsheims energetisch saniert. Weitere Mittel flossen parallel in den Innenausbau. „Alles ist hier sehr gepflegt“, zeigte sich NFV-Präsident Günter Distelrath von der Anlage und dem Ambiente beeindruckt. Der SV Karze – „klein, aber fein!“

Bericht auch in der Januar 2020 Journal-Ausgabe.
Text und Bilder: Manfred Finger

Seite zuletzt aktualisiert am: 17.02.2020

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