01.06.2014

Was stimmt nicht mit uns Deutschen?

Markus Panning wünscht sich mehr Interessierte ausserhalb der Schule
Markus Panning wünscht sich mehr Interessierte ausserhalb der Schule

So titelte am Sonntag einen große Zeitung und führte reihenweise Beispiele vorran. Unter anderem: 

"Wir tun ach so tolerant beim Thema Homosexualität, aber "schwul" ist nach wie vor DAS Schimpfwort auf dem Schulhof."

"Wir finden Demokratie super, sind aber zu faul zum Wählen (48 % Wahlbeteiligung bei der Europawahl)."

Ich füge noch ein bei:

"Wir wollen keine NPD und Rechtsradikalen, auch nicht im Fußball, aber interessieren uns nicht für das Thema."

So hat zumindest Organisator Markus Panning den Eindruck, was den Besuch der Ausstellung "Vielfalt im Fußball" in der Schule Marienau betrifft.

Nach 1/3 der Ausstellung hat er folgendes Fazit gezogen:

"Die Resonanz auf die Ausstellung muss von mir je nach Bezugsgruppe als unterschiedlich dargestellt werden. Personen, die direkt mit der Schule in Verbindung stehen (z.B. aktuelle oder ehemalige SchülerInnen), nehmen die Ausstellung an, besuchen diese und sind angetan von der vielfältigen Bandbreite der Informationen und der durchweg interessanten Darbietung. Das Feedback fällt dementsprechend positiv aus: interessant, kurzweilig, absolut lohnend.

Etwas anders verhält es sich leider mit Personen, die wir hier erstmalig als Gäste willkommen heißen wollten. Es gab bisher z.B. keinen Verein, der die Ausstellung besucht hat und bisher lediglich eine Anfrage. Andererseits dauert die Ausstellung auch noch bis zum 19.6. an und ich hoffe, noch viele Besucher hier begrüßen zu dürfen.

Dementsprechend wurde der Film „Kick it like Kurt“, der uns zur Verfügung gestellt wurde, von Schülern aus Marienau gesehen. Ich hoffe, dass die anderen Beiträge auch auf Resonanz außerhalb unseres Internats stoßen.

Abschließend bleibt noch festzuhalten, dass wir enorm viel Zuspruch und Unterstützung von Institutionen erhalten haben, die sich ebenfalls mit gesellschaftlichen Fragestellungen rund um den Fußball auseinandersetzen (u.a. „Zeig Rassismus die rote Karte“, „HSV-Museum“, „!Nie Wieder“, „Deutsche Akademie für Fußballkultur“)."

22.05.2014

Vielfalt im Fußball

Schulleiterin Heike Elz eröffnete die Ausstellung
Schulleiterin Heike Elz eröffnete die Ausstellung

Ausstellung in Marienau läuft noch bis 19. Juni

Sportjournalist Ronny Blaschke eröffnete gestern, 21. Mai, in der Schule Marienau die Ausstellung mit einem Vortrag über Rassismus in den Fußballstadien.

Schulleiterin Heike Elz war froh, dass nun der langersehnte Tag gekommen war und beruhigte Organisator Markus Panning, dass die Fleyer pünktlich fertig geworden sind. Die Idee der Ausstellung kam im Rahmen der UNESCO-Projektwoche „Vielfalt macht uns stark“. Da der Schulpsychologe Panning ein Fußballfan ist, wurden die Themen: Rassismus in den Fußballstadien, Verbot und Entwicklung des Frauenfußballs, jüdische Fußballer im Nationalsozialismus und Homophobie im Sport schnell in eine Ausstellung „Vielfalt im Fußball“ verankert.

Oranisator Markus Panning, Schüler und Schiedsrichter Max Hirsch und Journalist Ronny Blaschke (v.l.)
Oranisator Markus Panning, Schüler und Schiedsrichter Max Hirsch und Journalist Ronny Blaschke (v.l.)

Ronny Blaschke war extra aus Berlin angereist und erstmalig in Lüneburg. Der gebürtige Rostocker genoss sogar eine Rathausführung, in der schönen Stadt, wie er sagte. Der einstündige Präsentationsvortrag bezog sich hauptsächlich auf sein Buch „Angriff von Rechtsaussen“ und zeigte auf wie Rechtsextreme sich zeigen und verhalten. Rechtsextreme missbrauchen die Volksbewegung Fußball, um ihre menschenverachtenden Ansichten zu verbreiten. Die NDP wirbt in Fanszenen Mitglieder und rekrutiert dort Wählerstimmen.

Kaum ein Wochenende vergeht ohne rassistische Gesten in Fußballstadien. "Fußball zieht viele Leute an, deshalb nutzen ihn Rechtsextreme. Im Fußball macht es Spaß, bei Rivalitäten Grenzen zu ziehen", stellte Blaschke gleich zu Beginn seines Vortrags heraus. "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" bahne sich im Fußball leichter ihren Weg in die Öffentlichkeit als in Beruf oder Schule. "Wichtige Elemente sind dabei die Abgrenzung vom Gegner, Männlichkeit, Provokation. Das kann harmlos sein, aber wenn man es weiterdenkt, wird es gefährlich",mahnte Blaschke.

Während seiner Präsentation zeigte er immer wieder, wie Rechtsextreme besonders in unteren Ligen als Trainer, in Ehrenämter oder Schiedsrichterwesen eindringen. Ganz unten und besonders bei Jugendlichen ist es leicht anzukommen, weil keiner hinschaut. Erst wenn Gewalt im Spiel ist, wird berichtet.

Großes Echo: Schlagzeilen in der örtlichen Zeitung zum "FAll Haase"
Großes Echo: Schlagzeilen in der örtlichen Zeitung zum "FAll Haase"

Ein Beispiel: Stefan Haase aus Lüdenscheid ist rechtsextremer Politiker der NPD und seit 2007 Schiedsrichter des DFB. Er pfeift in der Kreisklasse C und möchte, hätte er politische Macht, „den Ausländeranteil in Deutschland Richtung null fahren“. Der Ausländeranteil seiner Heimatstadt liegt bei 15 Prozent. Kann ein Demokratiekritiker, der eine Gesellschaft ohne Einwanderer anstrebt, Gleichberechtigung gegenüber Migrantenvereinen fördern? Blaschke besuchte ihn in Röhnsal, als er ein Spiel leitete bei dem Deutsche, Türken und Griechen gegeneinander kickten.

Numerischer Hitlergruß
Numerischer Hitlergruß

Oft werden Zahlencodes als Verschlüsselungstechnik genutzt. Die 88 als Hitlergruß ist der wohl bekannteste rechtsextreme Code, da der achte Buchstabe im Alphabet das „H“ ist. Wer aber kennt 192 (Adolf is back) oder 168:1? Es ist kein Ergebnis, sondern 168 Menschen kamen bei einem Sprengstoffanschlag in Oklahoma 1995 ums Leben. Der rechtsextreme Attentäter Timothy McVeigh wurde sechs Jahre später mit einer Giftspritze hingerichtet. Die Zahl stellt also in sarkastischer Weise das Opfer- Täter-Verhältnis da.

Neonazis sind schwer erkennbar. Die Zeiten, als sie noch mit Glatzköpfen und Springerstiefeln rumliefen, sind längst vorbei.

Das Schlusswort hatte wieder Schulleiterin Heike Elz. Sie berichtete von ihrem beklemmenden Gefühl, als sie in den USA mal ganz alleine als Weiße in einer Shopping-Mall unter lauter Farbigen stand und merkte, wie man sich fühlt, wenn man die Minderheit ist.

Neben dem Thema Rassismus in den Fußballstadien gibt es aber in der Ausstellung weitere Minderheiten zu erkunden:

Stollen- Statt Balettschuhe
Stollen- Statt Balettschuhe

Verbot und Entwicklung des Frauenfußballs

Frauen und kicken? Für manchen Herkules unvorstellbar! Darum war offiziell der Frauenfußball in Deutschland bis 1970 verboten, in Brasilien bis 1982. In der Ausstellung heißt es Stollenschuhe statt Ballettschuhe.

Jüdische Fußballer im Nationalsozialismus

Bayern München hat dieses Jahr den 24. Titel unter Präsident Karl Hopfner (Nachfolger von Uli Hoeneß) geholt. Unter Kurt Landauer holte der FC 1932 seinen ersten Titel. Ein Jahr später zur Machtergreifung der Nationalsozialisten verlor Landauer seine Arbeitsstelle und kam ins Konzentrationslager Dachau weil er Jude war. Nach seiner Entlassung konnte er in die Schweiz flüchten.

Wird jährlich verliehen
Wird jährlich verliehen

So gut ging es Julis Hirsch nicht. Der jüdische Nationalspieler wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Heute wird zu seinem Gedenken der Julius-Hirsch-Preis jährlich gegen Rassismus verliehen. Letztes Jahr bekam ihn Ronny Blaschke. Der 33-Jährige kommentierte Versäumnisse auch von Sportjournalisten im Kampf gegen Rassismus. Unter anderem in seinem Buch „Angriff über Rechtsaußen“. Der Kreis schließt sich.

Und Homophobie im Sport

Gerade aktuell, Thomas Hitzelsberger (erster ehemaliger deutscher Nationalspieler, der sein Comming-out am 8. Januar 2014 hatte. "Mutig – und richtig. Respekt, Thomas Hitzelsberger! Ein wichtiges Zeichen in der heutigen Zeit", schrieb Lukas Podolski, der deutsche Fußball-Nationalspieler, via Twitter. Bundestrainer Löw hofft nun auf einen entspannteren Umgang mit dem Thema.

Wie geht es weiter?

Am 25. Mai gibt es um 19:00 Uhr eine Filmvorführung: „Kick it like Kurt“ - Der Film zeigt die frühere Geschichte des FC Bayern München unter Kurt Landauer

Am 13. Juni gibt es ab 15:30 Uhr zwei Beiträge zu Jugendförderung und Problemen in Südafrika vor der WM 2010 unter dem Titel „Entwicklung durch Fußball“

Drei Tage später am 16. Juni heißt es ab 19:15 Uhr „Football Under Cover“ - Der Weg einer Berliner Auswahl gegen die iranische Frauennationalmannschaft
www.football-under-cover.de

Öffnungszeiten: An Schultagen von 14 – 17 Uhr, gerne aber auch außer der Reihe nach vorheriger Anmeldung unter 05851/94133 oder unter schulpsychologe@marienau.de anfragen.

Passend zum Schlusssatz der Schulleiterin passt doch das jüngste Beispiel:

Was war die Botschaft nach dem Sieg beim Eurovision Song Contest 2014? Akzeptanz, Toleranz und Menschenrechte. Nicht zuletzt wirbt die Dragqueen Conchita Wurst auf ihrer Internetseite mit „about tolerance“.

Bericht und Fotos von der Veranstallung: Michael Paul sowie aus dem Buch Angriff von Rechtsaussen von Ronny Blaschke.

Mehr Bilder in der Galerie

Mehr Bilder aus dem Buch "Angriff von Rechtsaussen"

Seite zuletzt aktualisiert am: 12.11.2018

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