20.07.2021

Aufstieg, Tabellenführung und 24 Punkte Abzug - Sperbers stätiges auf und ab

Aufgrund der Corona Pandemie wurde das geplante Vereinsjubiläum 18.06.2021 - 20.06.2021 zum hundertjährigen Bestehen auf das nächste Jahr 2022 verschoben. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Trotzdem blicken wir mal zurück was in den letzten 100 + 1 Jahren geschah.

Im April 1920 fand sich eine kleine Schar fußballbegeisterter Veerßer und dank tatkräftiger Unterstützung des Wirts Julius Berger in der „Zur Deutschen Eiche“ zusammen und hat den „Sperber“ aus der Taufe gehoben. Am 6. November 1921 fand auf dem ersten Sportplatz am Rehhagen ein roßes Pokalturnier statt. Oberamtmann Becker hat ein Stück Land zur Verfügung gestellt. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte Sperber zwei Herren und zwei Jugendmannschaften und nahm ab der Saison 1923/24 als Sportvereinigung Sperber Veerßen an Punktspielen teil.

Währungsreform

Inflationsgeld

Die Aussichten auf eine glatte Durchführung der am 16. September 1923 begonnenen Spiele waren die denkbar schlechtesten. Die Zeitung „Lüneburgsche Anzeigen.“ kostete am 23. November 150 Milliarden Mark, am darauffolgenden Tag 15 Goldpfennig und ab 26. November 20 Goldpfennig). Um nun die Vereinskassen nach Möglichkeit vor unnötigen Ausgaben zu schützen, wurde die Aufteilung der 2. Klasse in zwei Gruppen vorgenommen (Gruppe Lüneburg und Gruppe Uelzen hatten nun jeweils eine 2. Klasse).

Am Ende gab es ein Entscheidungsspiel um die Gaumeisterschaft der 2. Klasse, welches Sperber Veerßen (Gruppe Uelzen) gegen Lüneburger SK II (Gruppe Lüneburg) mit 3:0 gewann. Ab Saison 1925/26 spielen die Mannschaften aus Gruppe Lüneburg und Uelzen wieder zusammen in einer Klasse. Am Ende stand wieder Sperber Veerßen vor Lüneburger SK II in der Klasse II und spielte gegen Werder Harburg um den Aufstieg zur I A-Klasse. 5:1, 0:5 und 4:1 lauteten die Ergebnisse. In der DFB I A-Klasse war am Saisonende 1926/27 nach einem Jahr Zugehörigkeit nur der vorletzte Platz und somit der Abstieg drin. In der A-Klasse wurde 1929 hinter Germania Ripdorf Platz 2 erreicht und das Aufstiegsspiel zu Bezirksliga mit 3:1 gegen Union Bevensen gewonnen.

Erneuter Aufstieg

Der Ausspruch „Sperber“ flink, die Liga winkt“ erfüllte sich somit 1929 mit dem Aufstieg in die Bezirksliga. In den folgenden Jahren wurde nun mit unterschiedlichen Erfolgen gegen namhafte Vereine wie Lüneburger SK, Wilhelmsburger SK, Normannia Harburg, Viktoria Harburg, Teutonia Uelzen u.a. gespielt. Namen wie Deppe, Estorf, Schröder, Strauer u.a. haben „Sperber“ weit über die Uelzener Grenzen mit bekannt gemacht. Nach nur einem Jahr musste „Sperber“ als Tabelletzter 1930 die Bezirksliga wieder verlassen. Aber 1931 wurde das Aufstiegsspiel gegen SV Buxtehude mit 2:1, 0:2 und 3:2 n.V. gewonnen und Veerßen war wieder in der Bezirksliga. 1932 konnte der Abstieg aus der Bezirksliga als Vorletzter gerade noch so verhindert werden, aber 1933 ging es dann mit nur vier Punkten aus 18 Spielen wieder nach unten.

Namensänderung

In einer Zeit, in der durch die Partei alles organisiert wurde – auch sportliche Wettkämpfe -, nahm man eine Namensänderung in Reichsbahnsportverein „Sperber“ (14.September 1935) vor. Die Mehrzahl der Mitglieder waren Eisenbahner, die von der Partei und der SA weitgehend unbehelligt blieben, und somit auch die Arbeit im Sportverein. "Sportvereinigung Sperber Veerßen" hieß nun „Reichsbahnsportverein Sperber Veerßen“. In den Tabellen wurde er noch einige Jahre unter dem alten Namen geführt, später unter dem Namen RB Uelzen.

Da der Militär-Sportverein (MSV) Lüneburg in die Gauliga aufstieg und der Bucholzer SV aus der Bezirksklasse 1938 absteigen musste, stiegen LSV Celle und Sperber Veerßen als RB Sperber Uelzen und Tabellenführer der 1. Kreisklasse in die Bezirksklasse auf.

Das Aus für den Spielbetrieb kam im April 1940. Der überwiegende Teil der Sperbermannschaft wurde zur Wehrmacht eingezogen, sodass keine Mannschaft mehr gestellt werden konnte.

Neustart nach Kriegsende

6. August 1948 – an diesem Tag wurde die neue „Sperber“-Epoche eingeleitet. Mit diesem Tag verbinden sich aber auch Namen wie Theobald Diedrich, Franz Fröhlich, Heinrich Hasenbein, Willi Moritz, Walter Schütte, Günther Meyer, Otto Rehr und Ernst Sastedt, die mit 40 weiteren aktiven und passiven Idealisten durch die Neugründung den Grundstein zu einem leistungsstraken Sportverein legten. Erster Vorsitzender wurde W. Meyer, der bereits im Januar 1949 von H. Behne abgelöst wurde. Im September 1949 übernahm dann Th. Diedrich für die nächsten Jahre die Geschicke der Sportvereinigung. Vorrangige Aufgaben war die Erstellung einer Sportanlage, da schon drei Herren– und zwei Jugendmannschaften am Fußballspielbetrieb teilnahmen.

Durch die Neugründungen einer Faustballabteilung 1950 und einer Turnabteilung 1951 ergab sich ein enormer Mitgliederaufschwung, sodass Ende des Jahres die Zahl 259 erreicht war. Ebenso rasch verlief aber auch die sportliche Entwicklung. Im Fußball stieg die 1. Mannschaft in den ersten 4 Jahren dreimal auf, sodass man ab 1952 zunächst drei Jahre in der Bezirksklasse spielte. Aber auch im Jugendbereich freute man sich bereits über die Erringung der Kreismeisterschaft der Knaben und verschiedener Vizemeisterschaften. Es gab aber noch zwei weitere Höhepunkte in der Vereinsgeschichte. Am 29.März 1952 wurde der Verein in das Vereinsregister des Amtsgerichtes Uelzen eingetragen. Somit war die Vereinssatzung anerkannt und für jedes Mitglied rechtskräftig geworden. 1954 wurde nach fast fünfjähriger Bauzeit die neue Sportanlage mit Umkleiden und Waschmöglichkeiten fertiggestellt.

Neben Fußball und Tischtennis bildeten sich bald die Sparten Leichtathletik, Faustball, Schwimmen, Turnen, Gymnastik und eine Wandergruppe. Aufgrund dieser Entwicklung nahm auch die Anzahl der Mitglieder enorm zu, die Schallmauer 500 wurde zum 50-jährigen Vereinsjubiläum 1970 durchbrochen. „Sperber“ gehörte damit zu den größten Vereinen im Kreis Uelzen. Vordringlichste Aufgabe war die Umgestaltung der Sportanlage. Nach zweijähriger Planung und eineinhalbjähriger Bauzeit wurde diese mit einer neuen Rasenfläche, mit Umkleide -, Dusch -und Toilettenräumen und einer Stahlrohrbarriere am 8. August 1964 eingeweiht. Im Eröffnungsspiel standen sich der Bundesligist Hannover 96 und der Regionalligist VFL Wolfsburg vor der Rekordkulisse von 4.000 Zuschauern gegenüber. Hannover gewann dieses Spiel 2:0.

Sportvereinigung Sperber Verßen Kreispokalsieger 1967 und Kreismeister 1968

Das große Ziel der Fußballabteilung – Aufstieg in die Bezirksklasse – deutete sich bereits durch den Kreispokalsieg 1967 an. Durch den Einbau hoffnungsvoller Talente in die 1. Herren wurde „Sperber“ in der Saison 68/69 Kreismeister und beendete anschließend die erste Saison als Aufsteiger in die Bezirksklasse mit einem glanzvollen fünften Platz. Es folgten die Plätze sieben und acht. Im Kreisfußball war eine neue Macht entstanden.

In den ersten Jahren waren die Schlagzeilen unter den Trainern Heinig und Saalfrank sehr positiv, da die Mannschaft auch die Abgänge einiger Leistungsträger sehr gut verkraftete. Die Umstellung auf einen hauptamtlichen Übungsleiter erwies sich jedoch für die Mannschaft sehr folgenschwer. Der kameradschaftliche Zusammenhalt und damit die kämpferische Einstellung der Mannschaft gingen verloren. Die Folge war schließlich der Abstieg aus der Bezirksklasse 1976/77 durch die entscheidende Heimniederlage im letzten Spiel gegen den Tabellenvierzehnten Zernien.

Nach dem 2. Pokalerfolg 1977 kam der Tiefpunkt

Nachdem die 1. Herrenmannschaft 1977/78 noch den Kreispokal durch einen 2:0 Endspielsieg gegen Germania Ripdorf (Torschütze 2x Rehbein) gewonnen hatte, blieben in den nächsten Jahren die sportlichen Erfolge aus, sodass die Mannschaft auf dem Tiefpunkt in der 2. Kreisklasse spielte.

Jubiläum und Erfolge im Tischtennis

1980 feierte „Sperber“ in einer Jubiläumswoche ihr 60-jähriges Vereinsjubiläum. Hierzu überraschte der Verein die jüngsten aktiven Fußballer, die F-Jugend, mit dem Gewinn der Hallenkreismeisterschaft durch ein 1:0 im Endspiel gegen Teutonia und Tischtennis-Crack Thilo Vogts wurde Kreismeister im Einzel und Doppel. Er holte acht Titel in einem Jahr. Es war die Zeit des Tischtennis bei Sperber. Von 14 Herren-Kreismeistertiteln in der Zeit von 1979 – 84 gingen 11 an Veerßen. Vogts holte zwei Einzel und vier Doppel-Kreismeistertitel.

40 Jahre später wird immer noch Tischtennis gespielt. Aktuell in der Bezirksklasse UE/DAN.

Sperbers Mädchen sorgten für Furore in Norddeutschland

Im Mai 1980 begann aber auch eine Ära, auf die – zunächst von vielen belächelte – die Sperberaner mit Stolz zurückblicken können: Edwin Gotthardt gründete die Damenfußballabteilung. Innerhalb von nur sechs Wochen konnte eine Mannschaft präsentiert werden, die bereits in der 3. Saison 1982/83 den Aufstieg in die Bezirksklasse schaffte. Erstaunlich war das Durchschnittsalter von 15,4 Jahren. 1984 wurde die Vize-Meisterschaft im Bezirk erreicht.

Sperbers Frauen am 11. Mai 1983 auf Teutonias Musterplatz beim verlorenen Kreispokalendspiel gegen SC Kirch-/Westerweyhe

Mit dieser jungen Mannschaft wurde im gleichen Jahr das Kreispokalendspiel erreicht und leider in der Verlängerung mit 1:2 gegen Kirch-/Westerweyhe verloren. Die Mannschaft behauptete sich in den folgenden Jahren immer in der Spitzengruppe der Bezirksklasse und nach der Saison 1987/88 stieg man durch eine Aufstockung in die Bezirksliga auf, und wurde Neunter.

Diese Mannschaft entwickelte sich zur besten Mädchenmannschaft im gesamten norddeutschen Raum. Folgende Erfolge in nur vier Jahren sprechen für sich: Landesmeister 1986/87, Hallenbezirksmeister 1987/88, Bezirkspokalsieger 1988/89, 3 x Kreismeister, 2 x Kreispokalsieger, 3 x Hallenkreismeister. „Die Mannschaft hatte eine Riesenqualität“, erinnert sich ihr damaliger Trainer Edwin Gotthardt. Für all diese Erfolge wurde der Verein 1987 mit dem Sepp-Herberger-Preis ausgezeichnet.

Die Sperber-Mädchen werden am 22. Januar 1986 Hallenkreismeister.

Einladung vom HSV

Irgendwann kümmerte sich Gotthardt als Übungsleiter nur noch um den Nachwuchs, mit dem er riesige Erfolge feierte. Sperber Veerßen war ein beliebter und anerkannter Sparringspartner, bekam Einladungen vom HSV, spielte zuhause gegen Jugend-Bundesligist Turbine Potsdam und gewann hochkarätige Turniere.

Dann das unrühmliche Ende. Gotthardt zog sich aus privaten Gründen zurück. Nach schwerer Knieverletzung beendete er seine Laufbahn in Sperbers 1. Herren und baute den Frauenfußball im Rekordtempo auf. Der heute 66-Jährige war der Architekt des Veerßer Frauenfußballs.

Ende der 80er Jahre verfügte der Vereine über zwei Damen- und vier Mädchenteams. „Es waren über 100 Spielerinnen. Wahnsinn“, erzählt Gotthardt, der enorm viel Zeit investierte. Anfang der 90er Jahre löste sich der Frauenfußball auf. Ein echtes Drama, findet Gotthardt. „Ich war so enttäuscht. Da war so viel Herzblut dabei. Das war mein Lebenswerk.“

700 Tore in 1.000 Spielen

Trotz des Abstiegs in untere Klassen nahmen in den nächsten Jahren immer bis zu vier Mannschaften am Spielbetrieb teil. Und so dauerte es auch nicht sehr lang, bis sich wieder die ersten kleineren Erfolge einstellten. 1992/93 wurde die erste Jugend Meister der Kreisliga und die 1. Herren erreichten das Kreispokalendspiel. Der Pokal ging leider an den MTV Barum.

Am 6. September 1992 erlebte der Verein zum letzten Mal im Spiel ihrer Altliga gegen eine Kreisauswahl den wohl erfolgreichsten Fußballer ihres Vereins: Vereinslegende Dieter Rehbein schoss in etwa 1.000 Spielen ca.700 Tore für die Veerßener Mannschaften und war zusammen mit Hans-Dieter Lowin an allen Erfolgen der Herren, Altherren und Altliga maßgeblich beteiligt. Er war aber nicht nur im sportlichen Bereich aktiv, sondern setzte sich auch zusammen mit Rolf Eggert, der ebenfalls in diesem Spiel verabschiedet wurde und sich dann ganz den Vorstandsarbeit widmete, besonders für die Organisation des Altherrenballs ein.

Legendärer 24 Punkteabzug

Nach jahrelanger Durststrecke stieg Sperber im Jahr 2002 wieder in die Kreisliga auf und war nach dem neunten Spieltag klarer Tabellenführer. Wegen einer fehlenden Spielerfreigabe wurden 24 Punkte abgezogen und der SSV stand auf dem letzten Tabellenplatz. Der Abstieg konnte aber noch vermieden werden. Dieser kam dann 2007. Ein großer personeller Umbruch des Kaders stand im Jahr 2008 ins Haus. Der Übergang der damaligen A-Jugend in den Herrenbereich und ein neuer Trainer mit ambitionierten Zielen übernahm die Mannschaft. Was Folgte waren Jahre, welche geprägt waren von spannenden Aufstiegsrennen in die damalige Kreisliga. Leider in letzter Konsequenz nie gekrönt von dem immer wieder wehrenden Ziel des Aufstiegs. In der 1. Kreisklasse spielte Sperber bis 2018.

Herren-Mannschaft des SV Sperber Veerßen in der 1. Kreisklasse

Heute spielt die erste Herrenmannschaft im oberen Drittel der 2. Kreisklasse mit, nachdem im Jahr 2018 der Kreiszusammenschluss zwischen Uelzen, Lüchow Dannenberg und Uelzen nach vielen Jahren der Vorbereitung dann tatsächlich durchgeführt wurde. Aufgrund der nicht erreichten Qualifikationsposition in der Tabelle im Vorjahr war ein Zwangsabstieg aus der 1. Kreisklasse unausweichlich.

Endlich wieder ein Titel

Die 2. Mannschaft kickt in der 4. Kreisklasse im Herrenfußball. Ihr größter Erfolg war der Sieg im neu geschaffenen Ligapokal des Heide-Wendland Kreises 2019. In Reppenstedt führten die Gastgeber bereits 2:0, doch in der Schlussminute fiel noch der Ausgleich. Das anschließende Elfmeterschießen ging dann mit 5:4 an Veerßens Reserve. Den finalen Ball hat der aktuelle Trainer der 1. Herren Alischer Muradow versenkt und für Sperber Veerßen den ersten Titel dieser Art in den 2000er Jahren geholt.

Ligapokalsieger 2019 in der 4. Kreisklasse: SV Veerßen II

Schiedsrichter wurden von NFV ausgezeichnet

Von der Heide-Wendlandliga bis zur 4. Kreisklasse, Jugendbereich bis zur A-Jugend Landesliga und Damen Kreisklasse bis zur Landesliga sind neun Schiedsrichter an der Pfeife und wurden 2014 als fleißigste „Pfeifende“ vom NFV ausgezeichnet. Es pfeifen: Markus Fellhauer, Kevin Latus, Jürgen Dreger, Antonio de Leone, Benjamin Krappart, Manfred Wendt, Michael Wunderlich, Alan Yousef Al Haji und Günter Walter (Schiedsrichter Obmann)

100 Jahre Sportvereinigung „Sperber“ von 1920 e.V.

Der Verein hat sich dazu entschlossen die komplette Festschrift zu ihrer Feier heraus zu geben. Bis dahin bleiben Sie Gesund! Der Verein freut sich auf den Besuch in 2022.

Quelle: 130 Jahre Fußball in Stadt und Landkreis Lüneburg sowie
ein Dankeschön an Henning Jäkel (Sperber Verßen)
Bericht: M. Paul, Fotos: Festzeitschrift

Hier die Chroniken der anderen Jubiläumsvereine>>

Seite zuletzt aktualisiert am: 13.09.2021

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