SV Emmendorf durfte 3 Mal nicht aufsteigen

Im Jahre 1920 wurde der Verein unter dem Vorsitz von Willi Harms gegründet. Schriftführer war Heinrich Niebuhr und als Kassierer fungierte Wilhelm Schröder. Der Verein trug übrigens nicht den Namen SV Emmendorf, sondern hieß TSV Emmendorf e.V. Grund für die Benennung als Turn- und Sportvereinigung war sicherlich die Tatsache, dass der Turnsport zu dieser Zeit im Vordergrund stand, der Fußball war seiner Zeit noch nicht ganz so verbreitet.

Vorturner Alfred Rose leitete auf dem Saal des Gasthauses Harms die Übungsstunden, als Sportgeräte standen Reck, Barren und Seitenpferd zur Verfügung.

Vereinszimmer im Gasthaus Harms


Schon bald wurde aber auch eine Fußballmannschaft unter der Betreuung von Walter Haase ins Leben gerufen.

Vor dem „Zweiten Krieg“ nahmen drei Herrenmannschaften am Spielbetrieb teil. Die 1. Herren Recherchen zu Folge in der Bezirksklasse, was zur damaligen Zeit wohl eine herausragende Leistung war.

Emmendorf erster Pokalsieger in Stoitze, ab 1936  Stoetze

(AZ-Bericht vom 02. Juli 1929)

Insbesondere die Saison 1928/29 schien dabei besonders hervorzustechen. Die I.Herren wurde nicht nur ungeschlagener Meister im Amt Medingen und verteidigte somit den Vorjahrestitel, sondern gewann auch diverse der damals so prestigeträchtigen Pokalturniere. Zudem schrieb die Presse von einem anstehenden Bezirksmeisterschaftsspiel am 15.Sepember 1929 gegen den Meister des Amtes Rosche (Halligdorf). Dies könnte also die Bestätigung für die vermutete These sein, dass Emmendorfer Fußballer bereits vor dem zweiten Weltkrieg auf Bezirksebene aktiv waren. Das Spiel gegen Halligdorf wurde schließlich gewonnen und der TSVE durfte sich Landkreis-Meister 1929 nennen.

Frachtschiffe bei Emmendorf-Walmsdorf nördlich von Uelzen (CC BY-SA 4.0)

Der Standort der Sportstätte war nicht etwa in Emmendorf, sondern in Walmstorf am Molzer Weg.

Dort wo heute der „Elbe-Seiten-Kanal“ fließt, war früher einmal die Platzanlage des TSV Emmendorf.

20er & 30er Jahre

Die herausragenden Ereignisse in den 20er, 30er und den Anfängen der 40er Jahre waren immer die Sportfeste mit den Pokalturnieren. Sie fanden nur am Sonntag statt, da samstags meist noch bis 18.00 Uhr gearbeitet wurde. Zu Beginn eines Sportfestes standen die Leichtathletikwettkämpfe (Laufen, Weitsprung, Hochsprung und Kugelstoßen).

Fast drei Stundenlöhne musste der männliche Zuschauer berappen (1,50 Reichsmark), Damen zahlten 70 Pfennig. Zum Trost zahlte man für 7 Bier aber nur eine Reichsmark.

Mannschaftsfoto der 1. Emmendorfer Herren um das Jahr 1940 herum vor einem Fußballspiel gegen den SC Kirch/-Westerweyhe.
Sportfest im Juni 1933 in Emmendorf

1951 war für 12 Jahre Pause

Der „Zweite Weltkrieg“ zog auch für den TSV Emmendorf eine Zwangspause mit sich, die 1949 beendet zu sein schien. Unter dem Vorsitz von Otto Mennerich wurde der Spielbetrieb wieder aufgenommen.

Leider konnte diese Anfangseuphorie offensichtlich nicht lange transportiert werden. Im Jahre 1951 war dann aus Gründen des Personalmangels nämlich schon wieder alles vorbei und eine damals noch nicht absehbare Pause von 12 Jahren trat für den Sportverein ein.

Das Jahr 1963 war das Jahr der Neugründung. Wolfgang Harms übernahm den Vereinsvorsitz. Ihm zur Seite stand Heinrich Niebuhr. Die Kasse führte Günther Mewes. Bis zur Neugründung hieß der Verein TSV Emmendorf, aufgrund von Altlasten aus den 40er/50er Jahren musste man sich die Umbenennung in den SV Emmendorf gefallen lassen.

Es begann somit eine völlig neue Ära. Vorboten für die Wiederaufnahme des Vereinslebens waren die Tischtennisspieler, die bereits 1960 Vorgespräche geführt hatten. Als Initiatoren werden Dieter Teschke und Hermann Perau genannt.

 

Schock bei der Neugründung

Die Neugründung begann jedoch mit einem Paukenschlag: Ein Sportfest beim Nachbarn in Barum sollte dem SVE nämlich zunächst zum Verhängnis werden. Alle noch nicht spielberechtigten Spieler wurden zusammengetrommelt, um eine Mannschaft ins Gefecht zu schicken, in gutem Glauben, dass alles seinen rechten Gang geht. Das war jedoch weit gefehlt. Wolfgang Harms wurden daraufhin alle Rechte auf Lebenszeit entzogen, einen Verein zu führen. Die zu zahlende Strafe wurde von Gönnern übernommen.

Der Emmendorfer Sportverein ging trotzdem seinen Weg und schon bald stellten sich erste Erfolge ein. 1964/65 nahm die 1.Herrenmannschaft in der 2.Kreisklasse Nord dann wieder offiziell am Spielbetrieb teil. Auch eine 2.Herren gab es damals schon, sie spielte damals in einer Reservestaffel. Mehr und mehr wurde dann auch der Fußballsport zum Aushängeschild des Vereins.

Kreisligameister 1983/84 – der größte Erfolg des Vereins nach dem 2. Weltkrieg.

Einzig die Tischtennissparte konnte bis Mitte der 80er Jahre immer mal wieder in die Phalanx der Fußballer einbrechen und mit Erfolgen auf Verbandsebene aufwarten (Damen-Team um Gunda Otte, Heike Clasen und Dorit Schulze).

Mit dem erneuten Auflösen der Tischtennisabteilung im Jahr 1987 lag der Fokus im Mannschaftssport im Grunde bis zum heutigen Tage komplett beim Fußball.

Die Powerdance-Gruppe von 2018/19 in der Turn- und Gymnastikabteilung

Ohne eine eigene Sporthalle, die insbesondere in heutigen Zeiten überhaupt nicht mehr zu realisieren ist, wird man auch in Zukunft vermutlich keine weitere Mann-schaftssportart (wie eben Tischtennis, Volleyball oder Basketball) im SVE anbieten bzw. etablieren können.

Turn- u. Gymnastiksport zweites Standbein

Zweites großes Standbein im Verein ist daher wie schon zu Gründungszeiten der Turn- u. Gymnastiksport, der seit vielen Jahrzehnten aber nahezu ausschließlich von den weiblichen Mitgliedern und Kindern ausgeübt wird. Seit einigen Jahren rückt auch der Rehasport mehr und mehr in den Fokus und gehört immer wieder zum Breitensportangebot.

Kein Interesse mehr an Sportfesten

Sportfeste prägten über viele Dekaden das Bild – nicht nur in Emmendorf waren diese Veranstaltungen ein echter Zuschauer- und Teilnehmermagnet. Drei Tage Volksfeststimmung, mit Auf- und Abbau eher eine ganze Woche und das halbe Dorf war involviert. Vor allem in den 80er und den frühen 90er Jahren waren die „Sportfeste“ das absolute Highlight im Vereinsleben und sind daher auch in dieser Chronik ein fester Bestandteil. Der demographische Wandel und die allgemeine Einstellung zum Vereinsleben haben aber letztlich dazu geführt, dass diese Art der Veranstaltungsform heutzutage absolut nicht mehr zeitgemäß ist. Die Bevölkerung hat ein völlig anderes Freizeitverhalten entwickelt, die aktiven Vereinsmitglieder begnügen sich in der Regel mit der puren Ausübung Ihrer Sportart, während die Passiven und weiteren Gemeindebewohner andere Interessen haben und auch frühere Selbstläufer wie die gesellige Fahrradtour, der „Trimm-Trab“ oder auch das legendäre „Altherrendorffest“ sich daher längst überholt haben.

SV Emmendorf ein Fußball-Macht im Kreis Uelzen

Im neuen Jahrtausend wurde der SV Emmendorf zum vielleicht aufstrebendsten Fußballverein im Landkreis Uelzen, zwischen 2003 und 2017 holte die 1. Herren gleich acht Meisterschaften und stieg insgesamt 2 x in die Landesliga auf.

Die Titelsammler des SV Emmendorf © Marud
  • 2003 Kreismeister Uelzen
  • 2005 Meister der Bezirksklasse 1
  • 2007 Kreismeister 
  • 2008 Meister der Bezirksliga
    Aufstieg in die Bezirksoberliga
  • 2014 Meister Bezirksliga
  • 2015 Meister Bezirksliga
  • 2016 Meister Bezirksliga
  • 2017 Meister Bezirksliga
    Aufstieg in die Landesliga

Zwischen 1979 und 1994 sowie von 2006 und 2010 wurde die Landesliga als Bezirksoberliga geführt. 

Emmendorfs Fußballer (Kapitän Steffen Silbermann wird vom Kreisvorsitzenden Gerd Lüdtke geehrt) werden 2006/07 Kreismeister mit 30 Siegen aus 30 Spielen
Start-Ziel Sieg: Ein Jahr später werden die Grün-Schwarzen Aufsteiger der Bezirksliga mit 11 Punkten Vorsprong und 110 Toren in 34 Spielen Meister und Bezirksoberliga-Aufsteiger

2008/09 stieg der SV Emmendorf nach einer 1:5-Niederlage in Nienhagen am letzten Spieltag der Saison zwar direkt wieder ab. Nach einigen Jahren der Konsolidierung setzte die Mannschaft aber zu einem neuen Sturm auf die 6. Liga an, wurde aber vorerst durch die Regularien ausgebremst, denn obwohl das Team in den Spielzeiten 2013/14, 2014/15 und 2015/16 jeweils Meister der Bezirksliga wurde, durfte der Verein nicht in die Landesliga aufsteigen.

Profitiert haben die Zweiten, bzw. Dritter 2014 TuS Neetze (3.), 2015 MTV Dannenberg (2.) und 2016 TuS Bodenteich, die aber allesamt im drauffolgendem Jahr wieder aus der Landesliga abgestiegen sind.

Endlich war der Aufstieg in die Landesliga geglückt. Erst im 4. Anlauf durfte SV Emmendorf eine Klasse höher spielen.

Erst nach der 4. Meisterschaft am Stück in der Saison 2016/17 konnte der Verein die benötigte 11er Jugendmannschaft vorweisen und nach einer beeindruckenden Spielzeit mit 28 Siegen in 30 Punktspielen endlich in die nächsthöhere Spielklasse aufsteigen.

Auch SV Emmendorf II durfte nicht aufsteigen

2011/12 konnte auch das Reseverteam von Emmendorf nicht aufsteigen. Als Spielgemeinschaft mit Groß Hesebeck II wurden sie mit den Punktgleichen FC Oldenstedt II Zweiter in der 2. Kreisklasse und wollten als eigenständiges Team in der 1. Kreisklasse 2012/13 weiter  spielen. Der Dritte TSV Bienenbüttel II leitete ein Verfahren ein:

Hier ein Foto des Reserveteams aus 2018, die jetzt in der 1. Kreisklasse Süd im neuen NFV-Kreis Heide Wendland spielen

Laut NFV-Spielordnung sind Spielgemeinschaften im Herrenfußball grundsätzlich nicht zulässig. Im Fußballkreis Uelzen gibt es sie aber in Ausnahmeregelung bis einschließlich zur 2. Kreisklasse, um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Ab der 1. Kreisklasse sind sie nicht mehr gestattet. Die NFV-Spielordnung besagt, dass im Jahr der Auflösung einer SG kein Aufstieg möglich ist.

Auch die Berufung vor dem Bezirkssportgericht war erfolglos. Nutznießer war der Tabellendritte TSV Bienenbüttel II, der ebenso wie der zweitplatzierte und letztlich sichere Aufsteiger FC Oldenstadt II das Verfahren ins Rollen gebracht hatte. (AZ-Artikel vom 12.04.2012) und (AZ-Artikel vom 18.06.2012)

Ein Jahr später klappte der Aufstieg in die 1. Kreisklasse als eigenständiges Team aber. Und zwei Jahre später 2013/14 gelang dem SV Emmendorf II als Vize-Meister gar der Aufstieg in die Kreisliga Uelzen.

Auch in der Landesliga TOP

Und auch in der Landesliga setzten die Grün-Schwarzen ihren Gipfelsturm fast nahtlos fort, über Wochen und Monate spielte der SVE in der Spitzengruppe mit, schlug 2 x seinen Kreisrivalen SV Teutonia Uelzen und setzte sich spätestens mit dem 3:1-Erfolg im direkten Duell mit den Teutonen am Reformationstag 2017 vor über 800 Zuschauern im heimischen Waldstadion an die fußballerische Spitze des Landkreises Uelzen.

Am Ende der Saison 2017/18 stand ein historischer 4. Platz für den SV Emmendorf in der Landesliga Lüneburg – ein nie mehr zu wiederholender Erfolg. Auch im traditionell schweren zweiten Jahr konnte sich der SV Emmendorf in der Landesliga behaupten, aber schon im Laufe eben jener Spielzeit deuteten sich massive personelle Aderlässe an. Ohne echte Chancen auf den Klassenerhalt ging der SVE schließlich in die Saison 2019/20, holte seinen einzigen Sieg tatsächlich im Derby beim SV Teutonia Uelzen, ehe im Frühjahr 2020 dann erstmals die Corona-Pandemie den Stecker zog.

Der SVE zog sich in der Folge freiwillig in die Bezirksliga zurück, konnte mit Rückkehrern und dem neuen Trainerduo Achim Otte/Jörg Schulz eine schlagkräftige Truppe an den Start bringen und im Jahr des 100-Jährigen Jubiläums eine erfolgreiche Halbserie spielen, ehe der 2. Lockdown für ein jähes Ende des Sportjahres sorgte.

Die Fans halten aber weiter zu ihrem SV Emmendorf von 1920

SV Emmendorf gegen BW Lohne vor höchstem Spiel der Vereinsgeschichte

SVE-Trainer Achim Otte wusste um die Qualität der Gäste und hatte vor dem Anpfiff gehofft, nicht zweistellig unter die Räder zu geraten. „Das war weit über Oberliga-Niveau“, lobte er den Lohner Auftritt.

So titelte die Uelzener AZ das Jahrhundertspiel in der 100-Jährigen Vereinsgeschichte. Wegen der Coronapandemie konnte der Beziksmeister 2020 nicht ausgespielt werden. Das Los entschied auf SV Emmendorf als Lüneburger Bezirkspokal Vertreter. Bei der Auslosung im Krombacher NFV-Pokal erhielt der SVE in der ersten Runde auch noch ein Freilos und im Achtelfinale wurde ihm er Oberligist und Aufstiegsaspirant zur Regionalliga von Blau Weiß Lohne zugelost. Nie zuvor in der 101-jährigen Vereinsgeschichte des SV Emmendorf hat ein Fußballteam der Grün-Schwarzen ein Pflichtspiel auf Verbandsebene bestritten. 

SV Emmendorf chancenlos. Der zwei Klassen tiefer spielende Bezirksligist hat im heimischen Waldstadion gegen den TuS Blau-Weiß Lohne mit 0:9 (0:4) Toren verloren. Die Gäste aus dem Landkreis Vechta, die als Titelkandidat in der Oberliga gehandelt werden und sich den raschen Aufstieg in die Regionalliga zum Ziel gesetzt haben, entschieden die Partie quasi in den ersten vier Spielminuten, als sie nach vier Minuten schon 2:0 führten.

Die Top-Torschützen in den letzen 50 Jahren

1 Benjamin Silbermann 437
2 Helge Schenk             331
3 Jörg Chluba                174
4 Jörg Deumann            173
5 Wolfgang Bajohr         170
6 Heino Schenk             150

Die I. Herren des SV Emmendorf freuen sich auf eine erfolgreiche Bezirksliga Saison 2021/22

Alle Jubiläumsfeierlichkeiten fielen der Pandemie bisher zum Opfer – auch 2021 konnte nämlich kein Event nachgeholt werden. Für 2022 nach dem erhofften Abklingen der Pandemie ist nun eine „andere Art der Feier“ angedacht.

Einzig die über zwei Jahre ausgearbeitete über 200-seitige Jubiläumschronik konnte Ende 2020 noch in den Verkauf gehen und fand großer Absatz unter den 270 Vereinsmitgliedern. Exemplare sind aber weiterhin zum symbolischen Preis von 19,20€ beim Verein erhältlich.

Bericht: Benjamin Silbermann u. Michael Paul
Fotos: SV Emmendorf, Marud (AZ-Online), BY-SA 4.0

Hier die Chroniken der anderen Jubiläumsvereine>>

Seite zuletzt aktualisiert am: 20.09.2021

Regionale Partner

Website-Tracking - Allgemeines Website-Tag (gtag.js):