30.11.2011

And the winner is: Frank Isenberg

Mädchen aus dem Abseits holen

Bei der diesjährigen Ehrenamtspreisverleihung am Mittwoch, 30. November, im Lim's (Erbstorf) ging der Kreisehrenamtspreis an: Frank Isernberg (SV Eintracht Lüneburg). Weitere Preisträger waren: Christiane Martin-Gente (FC Echem), Karl-Heinz Habenicht (TSV Gellersen), Marc Westermann (MTV Soderstorf) und Klaus Peters (TuS Brietlingen).

 
Christian Röhling

Kreisvorsitzender Christian Röhling (l.)

In der Begrüßung stellte Kreisvorsitzender Christian Röhling fest, dass ca. jeder vierte Deutsche ein Ehrenamt bekleidet. Nämlich über 23 Millionen der über 14Jährigen von ca. 80 Millionen Einwohner. Sie alle stellen fast unentgeltlich ihr Engagement der Gesellschaft zur Verfügung. Sollte es bezahlt werden, käme eine Wertschöpfung von 75 Milliarden Euro zusammen. Daher ist es umso unverständlicher, dass von den über 10.000 Mitgliedern der 45 Lüneburger Vereine nur ganze sechs Kandidaten für den Ehrenamtpreis vorgeschlagen wurden.

 „Soziale Integration durch Fußball“ lautete das Schwerpunktthema der diesjährigen Ehrenamtsaktion. Gewürdigt wurden gemäß der Vorgaben des DFB Bemühungen, jedem Menschen zu helfen, sich in der Gemeinschaft einzubringen und wohl zu fühlen. Das gilt besonders für Mitmenschen, die durch ihre Hautfarbe, Sprache, Religion und Kultur, aber auch durch geistige, körperliche Gebrechen oder Armut benachteiligt sind.

Frank IsenbergKreisehrenamtspreisträger
2011 Frank Isenberg

Frank Isenberg von der SV Eintracht Lüneburg erfüllte diese Punkt voll und ganz. Da war sich der NFV-Kreisvorstand einig. Seit Februar 2009 leitete Frank Isenberg zusammen mit Katja Breuhahn und Fatima El-Zein für die SV Eintracht Lüneburg die Mädchen-AG der Anne-Frank-Schule in Lüneburg-Kaltenmoor im Rahmen des bundesweiten Projektes „Fußball ohne Abseits“. Der Stadtteil Lüneburg-Kaltenmoor stellt bekanntlich innerhalb der Stadt Lüneburg einen sozialen Brennpunkt dar und weist einen hohen Anteil an Migranten auf. Aus 21 verschiedenen Ländern kommen hier die Schüler und Schülerinnen der Anne-Frank-Schule.

20 Mädchen zwischen acht und elf Jahren kicken in der Fußball-AG der Anne-Frank-Schule. „Über die Fußball-AG konnten wir bereits drei Mädchen in den Verein holen“, sagt der 48-jährige Ehrenamtspreisträger. Das noch mehr Mädchen in seinen Verein wechseln, wo er die weibliche Fußballjugend leitet, hofft er.

In den letzten Jahren trainierte der Polizist bei der Eintracht die C- und B-Juniorinnen und nahm viermal am Dana Cup In Hjörring (Dänemark), dem drittgrößtem Jugendfußballturnier der Welt mit fast 900 Mannschaften aus über 40 Ländern teil. Seit August des Jahres trainiert er jetzt die Damen der SVE. Aber 2012 geht es wieder mit zwei Juniorinnenmannschaften zum Dana-Cup. Und wer organisiert es? Natürlich Frank Isenberg! Für dieses Engagement des 48-Jährige in den letzten Jahren erhält er einen Gutschein für ein Wochenende in Barsinghausen inklusive Besuch eines Bundesligaspiels.

„Soziale Integration“, das diesjährige Motto des Preises, beziehe sich aber nicht nur auf Arbeit mit Migranten, betonte die NFV-Kreis-Ehrenamtsbeauftragte Daniela Schöning. Das Engagement in allen Bereichen gelte es zu würdigen. So wurden vier weitere Ehrenamtliche ausgezeichnet:

Preisträger 2011
Geehrte der Preisverleihung  v. l.:
Marc Westermann, Karl-Heinz Habenicht, Frank Isenberg,
Christiane Martin-Gente und
Klaus Peters.

Wie in jedem Jahr ist auch dieses Jahr der TSV Gellersen wieder bei der Preisvergabe dabei. Karl-Heinz Habenicht (61) ist seit Sommer 1993 Trainer von diversen Mannschaften beim TSV Gellersen gewesen, übernahm in der Zeit die Rolle des stellvertretenden Fußballobmanns und versuchte immer junge Menschen in die Mannschaft zu integrieren. Zuletzt sprang er als A-Juniorentrainer ein.

Vom kleinen dörflichen Verein FC Echem wurde die „Powerfrau mit dem Vereinsherzen am rechten Fleck“, wie es in der Laudatio hieß, Christiane Martin-Gente gewürdigt. Die 46Jährige ist langjährige Vereinsvorsitzende und hat in den letzten Jahren aus dem Fußballverein einen Breiten- sportverein gemacht. Ist sich auch nicht zu Schade mal Kaffee beim Herrenspiel auszuschenken.

Es braucht kein offizielles Amt, um seine ehrenamtlichen Tätigkeiten dem Verein zur Verfügung zu stellen. So pflegt Marc Westermann (34) beim MTV Soderstorf  das Stadion, hält die Gebäude in Schuss und organisiert Mannschaftsfahrten. 50 Leute unter einem Hut zu bekommen und Gelder für die Mannschaftskassen einzutreiben hat auch was mit sozialer Integration zu tun.

Es müssen nicht immer Jahrzehnte oder Jahrhunderte Ehrenamtstätigkeiten sein um für ein Ehrenamt vorgeschlagen zu werden. Aber ein viertel Jahrhundert hat sich Klaus Peters (71) für seinen Verein TuS Brietlingen eingebracht. Ob Trainer oder Betreuer in diversen Mannschaften, Kassierer, Oranisator von nationalen und internationalen Turnieren oder „Macher“ und „Kümmerer“ an vielen Stellen und Orten, er hat viel bewegt und andere bewegt, mitzuhelfen.

Daniela SchöningKreisehrenamtsbeauftragte
Daniela Schöning

Damit nicht jedes Jahr die gleichen Vereine geehrt werden hofft die Kreisehrenamtsbeauftragte im nächsten Jahr auf eine größere Beteiligung und es müssen nicht jahrzehntelange Tätigkeiten sein, drei reichen auch. Mit etwas Fantasie hat bestimmt jeder im Verein einen Menschen, auch zum neuen Thema, das im April 2012 vom DFB verkündet wird, der sich nicht in den Vordergrund stellt und im Verein unverzichtbar ist. Vielleicht hat dieser Mensch es ja auch verdient einen DFB-Preis zu erhalten. Im gesamten Bundesgebiet wird in allen Kreisen der Ehrenamtspreis jährlich verliehen.

Fazit Daniela Schöning: „Ich kann nicht glauben, dass die anderen Vereine keine Menschen haben, die diesen Preis verdienen.“                                     Fotos: mip

Seite zuletzt aktualisiert am: 12.11.2018

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